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Interview mit Prof. Dr.-Ing. Harald Bolt

UK: Vor ihrer jetzigen Position als Vorstand eines Helmholtz-Zentrums waren Sie Direktor an einem Max-Planck-Institut. Wie hat sich das auf ihre Arbeit ausgewirkt?

Bolt: Die Max-Planck-Gesellschaft gewährt ihren Wissenschaftlern ein hohes Maß an Freiheit in der Wahl der zu erforschenden Themen. Ich konnte neue Akzente bei der Entwicklung von Materialien für die Kernfusion setzen und habe die wissenschaftliche Tätigkeit sehr genossen. Das ganze Thema Energieforschung ist aber in einen großen gesellschaftlichen Kontext eingebettet. Dementsprechend hatten sich meine Interessen und mein Arbeitsspektrum erweitert. In meiner jetzigen Position im Forschungszentrum Jülich kann ich an den Rahmenbedingungen mitarbeiten und die Weichen in einem der größten Energieforschungsinstitute Deutschlands stellen.

UK: Was sind die Ziele ihrer Arbeit?

Bolt: Mein wichtigstes Ziel ist, die Bedeutung des Forschungszentrums Jülich auf dem nationalen und internationalen Parkett als eine der führenden Forschungseinrichtungen für Energie- und Umweltforschung zu festigen und auszubauen. Mein konkretes Anliegen ist es, den Forschern hier weiterhin zu ermöglichen, zur Lösung gesellschaftlich relevanter Fragen beizutragen. Ich sehe mich hier als ein Bindeglied zwischen den Instituten, in denen geforscht wird, und der "Außenwelt", die diese Ergebnisse benötigt und uns dafür bezahlt.

UK: Womit beschäftigen Sie sich im Arbeitsalltag?

Bolt: Zunächst widme ich mich natürlich vielen inhaltlichen Fragen aus der Forschung, um Entwicklungen im Energie- und Umweltbereich im Auge zu halten. Insbesondere möchte ich in Tuchfühlung mit den Forschern in Jülich bleiben. Aber wichtig ist es auch, mit Entscheidern in der Politik und Partnern in der Wirtschaft und Verbänden in Kontakt zu bleiben. Nur so kann ich sicherstellen, dass erstklassige Forschung auch die entsprechende Finanzierung erhält. Hier gibt es viel zu tun, um die Mittel einzuwerben, die für exzellente Energie- und Umweltforschung notwendig sind. Daneben gilt es, der Forschung in Jülich eine erstklassige Infrastruktur zu erhalten und gegebenenfalls anzupassen. Die Zentralabteilung Technologie zum Beispiel erbringt auf höchstem Niveau technologische Dienstleistungen und unterstützende Arbeiten für die Forschung.
Ein besonderes Anliegen ist mir jedoch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, was gerade bei dem massiven Fachkräftemangel in den Energie- und Umwelttechnologien ein drängendes Thema ist.

UK: Welche Erfahrungen aus ihrem bisherigen Arbeitsleben sind für Sie die wertvollsten?

Bolt: Als Diplomand in Jülich war ich enorm beeindruckt von dem Interesse und der Förderung, die mir entgegengebracht wurden. Nach einem "Massenstudium" an der Uni im Fach Maschinenbau war ich verblüfft, in Jülich schon als Diplomand ernst genommen und gefördert zu werden. Durch diese Förderung konnte ich ein enormes Maß an Selbständigkeit und wissenschaftlicher Freiheit genießen. In späteren Positionen habe ich gelernt, welche elementaren Voraussetzungen für hervorragende Forschung, zusätzlich zu ausreichenden Finanzmitteln, gegeben sein müssen. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass diese Rahmenbedingungen für die weitere Forschung in Jülich Bestand haben.